Sehr geehrte Kleingärtner, Siedler und Eigenheimer, liebe Gartenfreunde

Warnung vor unbestellten Pflanzensamen
Entsorgen statt aussäen !

Erst in den USA, nun auch in Europa: Derzeit bekommen Menschen mysteriöse Päckchen mit Pflanzensamen zugeschickt, die sie nicht bestellt haben. Nach Informationen des Julius Kühn-Instituts (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, haben auch Bürgerinnen und Bürger in Deutschland bereits unbestellte Pflanzensamen erhalten und dies den zuständigen Landesbehörden gemeldet.

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) ruft Garenfreunde dazu auf, der Empfehlung des JKI zu folgen und die Samen nicht auszusäen. Stattdessen sollten sie über den Hausmüll entsorgt werden, nicht über den Kompost oder die Bio-Tonne. Denn bei dem Saatgut könnte es sich, so das JKI, um nichtheimische invasive Pflanzenarten bzw. Unkräuter handeln. Diese könnten hiesige Ökosysteme gefährden. Oder es könnten sich im Saatgut Krankheitserreger befinden, deren Einschleppung unbedingt verhindert werden soll. Auf den Päckchen ist nicht angegeben, um welche Pflanzen es sich handelt. Die Päckchen stammen laut JKI womöglich aus Asien, der konkrete Absender ist jedoch unbekannt. Es werde vermutet, dass es sich bei dem Saatgutversand um eine Betrugsmasche handelt, durch die Verkäufer die Anzahl ihrer Verkäufe, gekoppelt mit falschen Kundenbewertungen, erhöhen.

Tausende Gärten - Tausende Arten

Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. berichtet (hier) über Bundesprogramm "leben.natur.vielfalt" und der neu zugänglichen Homepage www.tausende-gaerten.de 
 

Aus aktuellem Anlass:

  • Info-Portal Baden-Württemberg
     
  • Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Vereinsleben (Info 26. Juni 2020)

    Aufgrund der immer noch existierenden Ansteckungsgefahr, die ihren Niederschlag in den trotz mancher „Lockerungen“ immer noch aufrechterhaltenen Kontaktbeschränkungen der Corona-Verordnungen des Landes Baden-Württemberg findet, wird es vermutlich noch etwas dauern, bis im täglichen Leben und damit auch in den Vereinen wieder der gewohnte „Alltag“ einziehen kann.
    Der Landesverband verfolgt die Anpassungen der Corona-Verordnungen des Landes Baden-Württemberg und informiert die Vereinsvorstände zeitnah über die jeweiligen neuen Bestimmungen.

    Bei Fragen wenden Sie sich daher bitte an Ihren Vorstand.

    Die jeweils aktuelle Corona-Verordnung können Sie unter folgendem Link einsehen: Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus

Freie und unabhängige Referenten die von unseren Bezirken und Vereinen  engagiert werden können: Liste zur Ansicht

Interne Termine des LV zu Infoveranstaltungen, Fachberaterlehrgänge, Sitzungsveranstaltungen LV finden Sie hier!

Landesgartenschauen / Grünprojekte / Veranstaltungsparks / Museen

Der besondere Medien-Tipp:

Messen / Pflanzmärkte/ Veranstaltungen

(Editorial Haus & Garten Juli/August 2020, zum Herunterladen)


Früher war mehr Vertrauen

„Wenn früher der Vorstand sagte: Jetzt gehen wir alle nach links - dann ist der ganze Verein nach links gegangen. Wenn heute ein Vorstand das sagt, kommt gleich die Frage: Warum gehen wir nicht nach rechts? - ein anderer will vorwärts und wieder ein anderer sogar zurück.“ Dieses Zitat unseres Präsidenten Klaus Otto trifft die Zustände nicht nur in unseren Vereinen, sondern in der gesamten Gesellschaft - deren Bestandteil die Vereine ja sind - wie den Nagel auf den Kopf.

Wie konnte es zu einer solchen misstrauenden Orientierungslosigkeit kommen?
Früher gab es einen gesellschaftlicher Grundkonsens, auch „Grundwerte“ genannt, der als Norm das gesellschaftliche Leben bestimmte, es gab erwünschte, erlaubte, mehr oder weniger geduldete und nicht zulässige, geächtete Verhaltensweisen, also einen Regelkodex, der von (fast) allen respektiert wurde und die Gesellschaft zumindest äußerlich zusammenhielt.
Nicht verschwiegen werden soll, dass damit auch der Heuchelei und dem Pharisäertum Vorschub geleistet, manches „Dorfgeheimnis“ nur flüsternd hinter vorgehaltener Hand garniert mit lustvoller Empörung weitererzählt wurde und Personen, die sich nicht „regelkonform“ verhielten, öffentlich geächtet und nicht selten bis in den Freitod getrieben wurden - Hauptsache, der „gute Eindruck“ konnte wenigstens nach außen halbwegs aufrechterhalten werden.

Eine wichtige „Gesellschaftsklammer“ war früher die Kirche, der gemeinsame Glaube und die Autorität der „Vertreter Gottes“ in ihren Gemeinden.
Schon in den uralten Hochkulturen z.B. in Mesopotamien und in Ägypten gab es „Staatsreligionen“. Die alten Griechen waren hier schon „freidenkerischer“, manche Philosophen hielten zwar die Götter für Menschenwerk, aber sie glaubten trotzdem - nämlich an die „Humanität“, an das „Gute im Menschen“. Bei den Römern schwang das Pendel dann wieder etwas zurück und so wurden später sogar die Kaiser teilweise noch zu Lebzeiten als „Gottheiten“ verehrt. Danach traten in Europa die „Eingottreligionen“, also vor allem Christentum und Islam geschichtsprägend in Erscheinung, der jüdische Glaube als verbindendes Fundament der drei auf Abraham zurückzuführenden Weltreligionen bestand ja schon länger, wurde jedoch vielfach verfolgt.
Unabhängig davon, ob der Gläubige an einen („beaufsichtigenden“) Gott oder an die Humanität glaubt, so gibt ihm sein Glaube doch eine „Richtschnur“ für sein eigenes Leben und das - sinnvollerweise möglichst reibungsarme - Zusammenleben mit seinen Mitmenschen.

In der heutigen, trotz allen Lippenbekenntnissen der Politik in der Realität staatlich geförderten „säkularen“ Gesellschaft ist der Glaube aus dem gesellschaftlichen Zentrum verschwunden und die Menschen daher auf sich selbst zurückgeworfen. Leere aber will gefüllt sein und dafür bieten sich heute unzählige „Aushilfsgötter“ an: Konsum auf Kosten der Mitmenschen und der Zukunft unserer Erde, Karriere auf Kosten der Kollegen und des Unternehmens, die sich in immer mehr Lebensbereiche hineinfressende Datenkrake Internet, die (un)„sozialen“ Medien, die auch die kürzeste Lücke zum Nachdenken erfolgreich mit meist sinnlosen „Messages“ zustopfen und auch die als Zukunftsmodell vielgepriesene „virtual reality“, die ja wie ihr Vorläufer - das „unbegrenzte“ Fernsehprogrammangebot - nur dafür geschaffen wird, um die Bürger in eine Scheinwelt zu entführen und so zu verhindern, dass sie zu wirklich „mündigen“, mit beiden Beinen in der Wirklichkeit stehenden Bürgern werden und der Politik auf die Finger schauen.
Der „mündige“ und „selbstverantwortliche“ Bürger wird ja von den Politikern nur bemüht, um damit zu verschleiern, dass sich „Vater Staat“ wieder ein Stück aus seiner - übrigens von seinen Bürgern finanzierten - Verantwortung zurückzieht und sie dadurch faktisch bestiehlt oder sie wieder mit etwas beglücken will, das zwar vorgeblich zu ihrem Besten sein soll, aber meist nur einzelnen Interessengruppen wirklich zugutekommt.
Dieses Spiel wird von immer mehr Menschen durchschaut und hat zu einem erheblichen Misstrauen gegenüber der Politik und ihren Repräsentanten geführt, was sich unter anderem in der immer mehr um sich greifenden, manchmal aber auch unreflektierten Kritik an politischen Entscheidungen äußert, die zudem mit einer zunehmen Verrohung in Sprache und Verhalten einhergeht. Aber auch hier war die Politik selbst das Vorbild, man denke nur an die Wortwahl bei politischen Diskussionen, bei denen schon lange nicht mehr Sachargumente, sondern allein die moralische Demontage des „politischen Gegners“ durch Verunglimpfungen oder aus dem Zusammenhang gerissenen absichtlich falsch interpretierten Zitaten zählt.
Der gesellschaftliche Grundkonsens wurde zu einer „Alles was gefällt ist erlaubt-Multikulti-Beliebigkeit“ verwässert, die gemeinschaftsstiftenden Religionen an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und die Politik hat sich durch das Verhalten ihrer Repräsentanten selbst unglaubwürdig gemacht - wie und für wen soll in unserem Land dann noch Vertrauen aufgebracht werden?
Vertrauen gründet sich vor allem auf Verlässlichkeit, denn ich kann nur jemandem mein Vertrauen entgegenbringen, von dem ich glaube und erwarte, dass ich mich auf ihn verlassen kann, dass er mein in ihn gesetztes Vertrauen nicht zu meinem Schaden missbraucht.
Und ohne Vertrauen kann es keine echte Gemeinschaft geben, in der sich jedes Mitglied auf das andere verlassen können muss.
Als uns Gartenfreunden vertrautes Gleichnis dafür könnte eine Pflanze dienen: Aus dem Boden der Verlässlichkeit ziehen die Wurzeln ihre Kraft, das Vertrauen bildet den tragenden Stängel und die lebenswichtigen Blätter, als Blüte zeigt sich die Gemeinschaft und der Same symbolisiert das Weiterverbreiten dieser Ideale in der Gesellschaft.

Ein beeindruckendes lebenspraktisches Beispiel für Verlässlichkeit, Vertrauen und Gemeinsinn bieten uns einige Siedlervereine in den schweren Zeiten während und nach dem 2. Weltkrieg:
Das Baumaterial wurde aus einer gemeinsamen Kasse finanziert, die Häuser gemeinsam gebaut - damals noch per „Hand am Arm“ mit den einfachsten Hilfsmitteln - und nach Fertigstellung unter den Mitgliedern verlost - man arbeitete vereint im Verein.
Heute einfach unvorstellbar, aber damals höchst effektiv, denn nur im Zusammenwirken vieler Kräfte und Fähigkeiten war möglich, was der Einzelne wegen unzureichenden „Vermögens“ alleine nie hätte erreichen können.
Wie viel einfacher haben wir es heute - und was könnten wir in unseren Vereinen und damit auch in der ganzen Gesellschaft alles bewegen, wenn wir nur einen Bruchteil der damaligen Anstrengungen einsetzen würden - und des damaligen Vertrauens!
Auf jede und jeden von uns kommt es nämlich an: Lassen wir uns nicht von „Rattenfängern“ welcher Art auch immer entmündigen, denken wir wieder konstruktiv-kritisch, besinnen wir uns wieder auf Glaube und Werte und schaffen damit eine neue und solide Basis für Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen - und dann wird auch in unseren Vereinen der Gemeinsinn wieder blühen und seine Samen in die Gesellschaft tragen - sie hat ihn heute nötiger als jemals zuvor.


Harald Schäfer
Landesfachberater

 

Literaturquelle siehe rechts: "Natur für jeden Garten", Reinhard Witt (Selbstverlag)

Gärten und Landschaften brauchen mehr Natur. Bienensterben, Insektensterben, Artensterben sind Schlagwörter, die jeden Tag in unser Gedächtnis gerückt werden; hinzu kommen Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Globalisierung, die bei Entscheidungen für unser persönliches Handeln  als Beitrag zur Erhaltung von Arten zu berücksichtigen sind.  Das Bundesnaturschutzgesetz setzt relativ enge Maßstäbe für unsere Naturlandschaften, gilt aber nicht für den Siedlungsbereich, also nicht innerhalb von Städten und Gemeinden; es hat auch keinen Einfluss auf Kleingartenanlagen, welche ja durch das Bundeskleingartengesetz geregelt werden. Ebenfalls außen vor sind waldbaulich, landwirtschaftlich und gartenbaulich genutzte Erwerbsflächen. – So langsam wird auch dem Unbedarften klar, dass es sehr notwendig ist gerade die Flächen der übrig gebliebenen Restlandschaften, d.h. die Naturlandschaften, unter Schutz zu stellen, was auch durch zahlreiche geregelte Ausweisungen im besonderen Maße geschieht (siehe Kapitel 4 Bundesnaturschutzgesetz). In Kapitel 5 (§§ 37 bis 55) sind schließlich zahlreiche Regelungen zum Artenschutz: z. B. das Ihnen bekannte Gebot zum Schutz brütender Vögel stärkeren Schnitt von Bäumen und Hecken zwischen dem 1. März und dem 30. September zu unterlassen, und die unbedingte Verwendung von autochthonen Pflanzen außerhalb des Siedlungsbereichs und gewerblicher Nutzflächen.  –  Von daher ist für unser Klientel gut lachen: Sie als Gartenfreundinnen und Gartenfreunde dürfen also sofern Sie im Rahmen der guten fachlichen Praxis tätig sind (d.h. nicht gegen andere Regeln wie z. B. der Düngeverordnung oder der Gartenordnung verstoßen) im Hausgarten und der Gartenparzelle pflanzen und wirtschaften wie Sie wollen. Doch was macht Sinn, denn letztendlich verschafft uns eine hohe Artenvielfalt auch eine Win-Win-Situation infolge gesunden Bodens, Bestäubung von Pflanzen und biologischem Pflanzenschutz.

Sie wissen: allein die Rundumversorgung unserer Gärten mit Insektenhotels und weiteren Strukturen und Nistmöglichkeiten, die seit Jahren im Gange ist, ist nur die eine Hälfte der Wahrheit: Wir müssen Blüten und Pflanzen in unsere Gärten bringen, die von den Tieren, die bei uns leben sollen auch angenommen werden. Bei den Insekten sind dabei je nach Art (z.B. Schmetterlinge) auch Larven bzw. Raupennahrungspflanzen zu berücksichtigen, die Erwachsenenstadien benötigen für sich meist nur Pollen und Nektar. Unter den Pflanzen- und Blütenliebhabern aber auch unter den Vögeln gibt es nicht nur Generalisten, die ein breites Angebot zu schätzen wissen, sondern auch Spezialisten, die nur Pflanzen einer Gattung oder einer Art nutzen können. Die Nahrungs- und Versorgungskette (manche Spezialisten sind auch von weiteren Ausstattungsmerkmalen wie Haare, Flaum, usw. abhängig) muss stimmen. Sie werden hier wohl auch einsehen, dass Baumärkte mit ihrem 0815 Modeangebot an Waren und vielmals fremden Billigangeboten nicht die erste Wahl Ihrer Pflanzenversorgung sein kann. Es gibt hervorragende Gartenbaubetriebe, Baumschulen, Staudengärtnereien, Knollenpflanzen- und Samenhändler mit Schwerpunkten nicht nur auf Exoten sondern auch auf heimischen Pflanzen, nicht nur auf Hybridsaat sondern auch auf samenechten Sorten. Unser Vorteil ist, dass wir pflanzlich gesehen, in unseren Gärten aus dem Vollen schöpfen können: zu Hause wie im Kleingarten können wir durch zielgerichtete Begrünungsprojekte neue Refugien schaffen – an Möglichkeiten stehen uns Balkon, Terrasse, Eingangsbereich, Fassaden, Dächer, Garage, Carport, Wege, Zäune, Mauern in vielen Varianten zur Verfügung.

Reinhard Witt, ein sehr aktiver Biologe und Naturgärtner, beschreibt in seinen Büchern, die er im Eigenverlag vertreibt, Grundlagen, Möglichkeiten und Wege in der Errichtung von naturnahen Gärten bzw. Naturgärten. Seine Erläuterungen der Wechselbeziehungen zwischen den unterschiedlichsten Tieren und ausgesuchten Pflanzen, untermauert mit umfangreichem Bildmaterial, eröffnen einem selbst Variationen für eigene Projekte. Zur Klärung der einen oder anderen begrifflichen Einteilung und Verwendung von Pflanzen werde ich mich an Inhalte seines Buchs „NATUR für jeden GARTEN“ halten. Übrigens die Belohnung für eigenes Tun ergibt sich durch die Art der tierischen Besucher, insbesondere, wenn es sich um Spezialisten womöglich von der Roten Liste handelt. Wobei ganz wichtig zu sagen ist, dass es bei dieser Art von Gartenaktivitäten keinen Widerspruch zur kleingärtnerischen Nutzung gibt. Die Ziehung von Gemüse und Obst in Mischkultur, dazu eine hohe Artenvielfalt im scheinbaren Biodiversitäten-Chaos des gesamten Gartenareals sind noch immer recht einfach von einer ungepflegten verunkrauteten Kleingartenparzelle zu unterscheiden. Letztere sticht durch massives Aufkommen weniger sich in den Vordergrund drängender Beikraut-Arten meist abzählbar an einer Hand, hervor  - die Arten natürlich und nicht die Individuen; begleitet wird dieses Erscheinungsbild von wild wuchernden, überalterten Gehölzen.  

Unter Wissenschaftlern gibt es eine rege Diskussion sowohl über die Anzahl der heimischen Wildpflanzen als auch ihren Status. Natur ist eben ein dynamisches System: es wandern Arten zu, etablieren sich oder verschwinden wieder. Unter heimischen Wildpflanzen verstehen wir die indigenen und die archäophytischen Arten. Indigene einheimische Wildpflanzen sind Arten, die seit Urzeiten mindestens seit der letzten Eiszeit hier wachsen. Witt bezeichnet sie als „Uraltpflanzen“: Rund 3 000 Arten bzw. 71 % der gesamten Wildpflanzen Deutschlands. Beispiele: Gemeine Schafgarbe, Wiesenwitwenblume, Salweide, Waldgeißblatt. Archäophytische einheimische Wildpflanzen, Nach Witt „Altpflanzen“ sind ursprünglich gebietsfremde Arten, die zu historischen Zeiten zu uns kamen, d.h. zu Beginn des Ackerbaus, Handel der Römer, bis 1492 und dem kolumbischen Erbe: ihre Zahl betrifft nur 6 %, ca. 250 Arten. Beispiele: Mohn, Kornrade, gelb-blütige Wildtulpe, Färberkamille, Moschusmalve, Wegwarte, Nelkenleimkraut.
Heimische Wildarten konnten sich über lange Zeiträume an regionale Bedingungen anpassen, im Ökosystem als Öko-Partner etablieren. Regionalen Wild-Arten, der Beobachtungsraum sind freie Landschaften außerhalb der Siedlungsräume, werden schließlich als regionale autochthone Arten bezeichnet: heimische Arten, die in der Region natürlich vorkommen.  – Aus Gründen des Arten- und Naturschutzes (Bundesnaturschutzgesetz) sollten innerhalb dieser Räume nur Wildpflanzen aus der gleichen Region ausgebracht werden.

Neophyten (Neupflanzen) sind nach 1492 durch Menschen gewollt oder ungewollt eingeführt worden. Darunter zählen viele Nutz- und Zierarten, oft als „Exoten“ bezeichnet. Einige von Ihnen werden infolge ihres exorbitanten Ausbreitungsvermögens über Samen, vegetativ oder beides, als invasiv bezeichnet. Mit bestimmten aber verkannten Absichten ins Land gebracht, verwildern sie und erobern auf Kosten alteingesessener Wildpflanzen dessen Terrain; sie sind sozusagen penetrant ansässig: Beispiele: im Öffentliches Grün und Forst - Roteiche, Späte Traubenkirsche, Douglasie, Robinie; als Trachtpflanze verkannt - Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute, Riesenbärenklau (auch Zierstaude), Sommerflieder davidii-Arten (Zier- und Schmetterlingsstrauch), Japanischer Staudenknöterich und Verwandte; unbeabsichtigte Einbürgerung/Verschleppung von Samen:  Afrikanisches Kreiskraut. Von den ca. 400 Neophyten-Arten zählen 40 als invasiv (siehe Internet: www.floraweb.de/neoflora/handbuch.html). Naturgärtner können also rund 360 nicht invasive Neophyten verwenden – einige zählen zu unseren schönsten und auch tierökologisch wichtigsten Gartenpflanzen: Nachtviole, Elfen- oder Frühlingskrokus, Zwergmandel, Blauminze, Prachtkönigskerze, Wildes Löwenmaul, Kaukasischer Blaustern, Nachtkerzen. Letztere fühlen sich auf

Neben den relativ eindeutig klassifizierten Arten wird zur hiesigen Wildpflanzenflora noch 13 % (umstritten) Unbeständige Arten gerechnet. Dies wird begründet mit einer generellen Fluktuation der heimischen Flora infolge des Klimawandels und der Landnutzung. Dies ist ein Hinweis mehr Toleranz für das aufzubringen, was da kommt. Dogmatisches Verhalten, starre Rezepte der Vergangenheit wird niemandem helfen. Eindeutige Verlierer in einem Naturgarten sind bei der Verwendung vieler Zier- oder Zuchtformen insbesondere Hybriden die Tiere. Hier handelt es sich um unter Berücksichtigung besonderer Merkmale genetisch ausgelesene Stark veränderte Formen. Beispiele für selektierte Eigenschaften: übernatürlich große oder dichte Blüte, knallbunte Farben, verlängerte Blützeiten, gefüllte Blüte ohne Samenbildung, unnatürliche Wuchsformen (Drehwuchs, Zwergformen - Oft Saison- und Austauschware). Tiere können mit Turbopflanzen nichts oder im Vergleich mit heimischen Wildformen nur wenig anfangen.

Jedoch gibt es auch von heimischen Wildpflanzen genetische Abweichler. Es ist ganz natürlich, dass in einer Ansaat nicht alle Nachkommen einer Pflanze gleich groß sind. Auch Blütenfarben variieren. Auch kommt es immer wieder vor, dass es in der Natur weiße Ausreiser gibt. Manche Arten neigen insgesamt zu einer größeren genetischen Variation, etwa die Wiesenwitwenblume Knautia arvensis, wo sich auf einer Blumenwiese das ganze Farbenspektrum von weißlich über Rosa bis hin zu dunkellila finden kann. Andere sind sparsamer, etwa der Wiesensalbei Salvia pratensis, der nur äußerst selten rosa oder weiße Farbvariationen liefert. In aller Regel sind solche genetischen Abweichungen ähnlich wertvoll wie der Haupttyp. Es handelt sich, je nach Ursprung und Klassifizierung, um Sorten, um Ökotypen bzw. Unterarten. Genetische Varianten haben wir in allen möglichen Merkmalen, auch in Bezug auf die Blütendauer, was bei einer Verfrühung und Verlängerung für manche Blütenbesucher von Vorteil ist, da durch die frühen Ausreiser die Nektarernte in diesem Naturgelände eher beginnt und länger anhält.
Heimische Wildstaude oder Sorte: es ist nicht leicht zwischen echten Wildformen und Sorten zu unterscheiden. Oftmals verbirgt sich dahinter eine heimische Wildplanze, entstanden durch spontane Mutation im Erbgut und wurde entweder in der freien Natur oder in einer Gärtnerei gefunden. Somit ist der Begriff „Sorte“ gelegentlich irreführend. Auch die Vermehrungsart bei Sorten von Wildstauden wird unterschiedlich gehandhabt: Manche fallen stets samenecht aus und können über das Saatgut vermehrt werden, andere Sorten entwickeln sich zurück in eine ursprüngliche Form und müssen vegetativ, d.h. über Stecklinge, Teilung oder das Klonen aus Zellkulturen reproduziert werden. Das führt trotz heimischer Herkunft und Wildstaude zu genetisch identischem Material – solche Pflanzen widersprechen eigentlich den Grundsätzen einer Wildpflanzenproduktion, die ja generativ stattfinden soll und daher von genetisch unterschiedlichen Pflanzen ausgeht. Für den eigenen Garten wird diese Diskussion aber dann eher irrelevant.

Naturnahe Sorten von Gehölzen: das genetische Roulette  jeder generativen Vermehrung ist natürlich auch bei Wildgehölzen im Spiel. Es kommt zu Abweichungen. Wildpflanzenzüchter betrachten solche Spielereien der Natur aufmerksam und nutzen sie, wenn die Gunst der Stunde schlägt. So ließe sich eine Vielzahl von naturnahen Kleingehölzen finden, mit neuen Möglichkeiten der Pflanzenverwendung. Dabei ist es klar, dass solche Sorten keine heimische Pflanzen mehr sein können. Ebensolches gilt für Gartenrosen. Wir haben es bei Kreuzungen zwischen Arten und Sorten immer mit nichtheimischen Pflanzen zu tun, doch auch sie können überaus bereichernd sein.

Fazit: Jeder Schritt in Richtung Naturgarten ist positiv zu bewerten, da die heimischen Tierarten auf heimische Pflanzen stehen. Anpassungen an „Neuheiten und Exoten“ verlaufen nicht so wie man es sich wünscht und gerade die Spezialisten unter den Tierarten gehen uns verloren. Je mehr Wildarten oder naturnahe Arten und Sorten mit offenen nektar- und pollenhaltigen Blüten Sie in Ihren Garten bringen, umso besser. Sie müssen aber nicht unbedingt auf Ihre gefüllte Lieblingsrose verzichten - Sie schaffen ja einen Ausgleich. Auch die Verwendung beispielsweise von Sommerflieder ist zulässig – sie sollten eben schauen, dass er sich nicht per Samen weiter ausbreitet. Natürlich gibt es bezüglich der Verwendung von Pflanzen enorme Vertiefungsmöglichkeiten, doch alles zu seiner Zeit. Hinweisen möchte ich auf diverse Literatur über Trachtpflanzen und den im Internet abrufbaren Bienenweidekatalog des Ministeriums Ländlicher Raum Baden-Württemberg. Ansonsten empfehle ich Ihnen die Bücher von Reinhard Witt (im Selbstverlag) - Name in Google eingeben.

Fachberater Jörg Gensicke