Der Gartentipp

Wassernotstand bei Immergrünen

Überwinterung von Gehölzen

Nachdem laut Presse dieses Jahr in Süddeutschland nur rund 60 % der normalen Niederschlagsmenge gefallen sind - und regional sicher noch weniger - ist der Boden bis in große Tiefen praktisch ausgetrocknet. Die geringen Regenmengen der vergangenen Wochen haben nur die obersten Zentimeter des Bodens gerade so angefeuchtet, dass das Wintergetreide auflaufen konnte, können aber bei oberflächlicher Betrachtung zu dem Trugschluss verleiten, dass der Boden ausreichend feucht sei.

Dass dem nicht so ist, haben alle bemerkt, die notgedrungen in den letzten Wochen ein Gehölz pflanzen mussten: Leichtere Böden sind als Staub vom Spatenblatt gerieselt und Lehmböden ließen sich nur stückweise aus dem Pflanzloch brechen. Hier muss trotz reichlichem "Einschlämmen" und Angießen auch weiterhin regelmäßig Wassergegeben werden, denn das meiste wird vom umgebenden trockenen Boden aufgesaugt.

Ganz besonders bedrohlich ist die tiefgreifende Bodentrockenheit für alle "Immergrünen" Gehölze: Zwar zeigen sie (überraschenderweise!) noch kaum deutliche Wassermangelsymptome wie Einrollen der Blätter, Verfrühtes Vergilben und Abwerfen der kroneninneren älteren Blätter, aber das dürfte weitgehend der geringen Verdunstung bei den mittlerweile kühleren Temperaturen geschuldet sein. Kritisch wird es nun bei längeren Kahlfrostperioden. Hier droht verstärkt Frosttrocknis, da die Pflanzen kaum Wasserreserven haben: Taut bei gefrorenem Boden tagsüber die Sonne die Blätter auf, verdunsten diese natürlich Wasser, und wenn sie keines nachgeliefert bekommen- z.B. aus dem Holzkörper- vertrocknen sie.
Übrigens zählen hier auch Rosen und andere Gehölze mit grüner, also nicht durch Korkschichtengeschützte Rinde zu den Immergrünen - d.h. die meisten "Frostschäden" an Rosen sind reine Trockenschäden, weil versäumt wurde, die Rosentriebe z.B. mit Reisig oder Jutengewebe gegen die Wintersonne zu schützen. Deshalb sollten Immergrüne mehrmals kräftig gewässert werden, und das möglichst bald. Denn wenn der Winter entgültig einzieht und der Boden friert, ist es zu spät.

Harald Schäfer